Über Verrisse. Oder: Maps to the Stars von David Cronenberg

Vorbemerkung: Irgendwie habe ich mich in ein zwei Tweets verplappert und geschrieben, ich würde was zu Maps to the Stars schreiben. Ein Film, mit dem ich mich – vorsichtig formuliert – nicht so recht anfreunden konnte. Das stellt mich gleich vor mehrere Probleme:

Erstens. Ich schreibe keine Rezensionen oder Kritiken. Ich finde zwar das Konzept spannend, zu bewegten Bildern ein paar Worte zu verlieren, und ich rede mir zu Filmen gerne den Mund fusselig. Aber Worte aufschreiben, die ich morgen lese und dann denke „das hätt’ste auch besser schreiben können“, „das ist doch gar nicht meine Meinung?“, „das versteht doch niemand“? Üblicherweise nicht. (Ich halte es eher mit der mindestens ebenso fragwürdigen, aber kontingenzbewältigenden Notenvergabe bei Letterboxd und IMDb.)

Zweitens. Verrisse sind mir zutiefst suspekt. Ist es nicht furchtbar einfach, sich hinzustellen und mäkelnd und zeternd über einen Film (oder ein Buch oder was auch immer) zu schimpfen? „Fehler“ zu finden und mit möglichst brachialen Mitteln aufzuzeigen, dass in kritisiertem Film wirklich aber auch alles ganz falsch gemacht wurde? Es langweilt mich und stößt mich ab, solche Texte über Filme zu lesen. Ich möchte keinen solchen Text zu einem Film produzieren.

Drittens. Der Film ist schlecht, warum dann noch darüber reden? Noch mehr Aufmerksamkeit für schlechte Filme, gibt es das nicht schon genug? Dann vielleicht doch lieber über ein paar sehenswerte Filme schreiben, die kaum jemand kennt? (Das Konzept „nur zu großartigen Filmen was schreiben“ wäre aber ebenfalls Quatsch.)

Viertens. Ich habe zu Kritiken und Trailern ein ambivalentes Verhältnis. Gerade, wenn es darum geht, den Film erst danach zu sehen. Kritiken, die einen Film auf eine nacherzählbare Geschichte reduzieren, wenden sich doch nur an die, die den Film eh nicht sehen wollen, aber mitreden können nicht schlecht finden, oder? (Es fällt mir aber schon schwerer, genauer zu beschreiben, was genau für mich lesenswerte Texte (und die gibt es) über Filme ausmachen.)

Zum Gegenlesen: Björn hält mehr von Maps to the Stars. Vielleicht solltet ihr also lieber dort weiterlesen. (Sobald ich hier auf publizieren geklickt habe, werde ich seinen Text auch lesen.)

Verteidigung. Maps to the Stars ist eine ästhetische und inhaltliche Fortführung, die in Cosmopolis begann. (Oder wiederaufgenommen wurde? Dafür kenne ich Cronenbergs Werk nicht gut genug.) David Cronenberg zeigt in glatten, schönen(, konsequenten?) Bildern eine ernst-boulevardeske Hollywood-Satire, eine Satire einer Satire. Alle weiteren Aspekte, bis hin zum Spiel der Schauspieler, folgen in Konsequenz diesem Ansatz. (Wohlwollender kann ich es nicht zusammenfassen.)

Kritik. Bei Maps to the Stars handelt es sich um eine gekonnte Fingerübung, deren Anschauungswert sich mir vollständig entzieht. Bedeutungsschwanger wird eine Hollywood-Boulevardeske erzählt, deren Leere und Fragwürdigkeit hier satirisch überhöht wird. Psychosen und familiäre Gewalt garnieren den Witz locker und werden wie alles Andere zum Mittel eines Willens um äußere Form. In schönen Farbpaletten werden Menschen lächerlich gemacht.

Der Film stellt sich über das, was er darstellt – es wird in allen Schwächen, Niedrigkeiten und Absurditäten dekonstruiert. Aber wozu das geschieht, wird nicht deutlich. Ein Häme-Film, der von sich selbst viel hält, ohne aber das Risiko einer eigenen erkennbaren Position oder Meinung einzugehen.

Ja, David Cronenberg kann das, was er tut, gut. Ich kann dem aber nichts abgewinnen. Wenn ich die Position (Aussage erscheint mir zu viel) des Films zusammenfassen müsste, würde ich es arroganter Nihilismus nennen. (Zynischer Relativismus würde vielleicht auch passen.)

Dabei liegt es mir keineswegs daran, Werbung für den moralischen Zeigefinger zu machen. Filme brauchen keinesfalls eine klare Aussage und sollen auch keinesfalls interpretationssicher sein. (Also so, dass niemand sie „falsch“ verstehen kann.) Aber wer sich hinstellt und andere mit Häme überhäuft, darf sich gerne selbst ein wenig aus der Deckung wagen. Sonst wird es reine Prätention, wie bei Maps to the Stars.

Vielleicht ist es aber auch ein systematisches Problem, das ich mit Maps to the Stars habe. Etwas banales und inhaltsleeres satirisch zu Überhöhen. Das kann man wohl machen. Aber warum? Anchorman war für mich ein Film wie Maps to the Stars. (Bevor hier jemand vermutet, ich hätte einfach ganz andere Filme gesehen: ja, ästhetisch und humoristisch sind hier doch Unterschiede zu erkennen.) In beiden Filmen lässt mich aber das Muster „Witze oder Satire über irgendwas“ fragend zurück.

Nachbemerkung: Zur Differenzierung meiner Meinung habe ich gestern Abend auch noch Cronenbergs Vorgängerfilm Cosmopolis gesehen. Die meisten der obigen Sätze könnte ich auch zu Cosmopolis schreiben. Immerhin wird, wenn ich beide Filme in Betracht ziehe, recht klar deutlich: Cronenberg hat hier ein sehr klares Konzept, er hat dafür eine klare Sprache gefunden. Ich verstehe nur die Sprache nicht.

Cronenberg bleibt damit für mich ein Regisseur wie Jim Jarmusch. Ich kann schwer vorraussagen (das wäre ja auch langweilig), was ich von einem Film halten werde. Von Ärger (The Limits of Control) bis Begeisterung (Only Lovers Left Alive) ist es nur einen Film weit. Bei Cronenberg hinterließ mich neben Cosmopolis und Maps to the Stars auch eXistenZ ratlos, während ich nicht müde werde The Fly und Eastern Promises weiterzuempfehlen.

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